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Arbeitsschuh von Temu 16€ für einen Arbeitsschuh?
Deshalb ist Temu bekannt
Temu ist ein internationaler Online-Marktplatz, der vor allem durch extrem niedrige Preise und ein außergewöhnlich breites Produktsortiment Aufmerksamkeit erregt hat. Angeboten werden Waren aus nahezu allen Konsumbereichen – von Mode und Elektronik über Haushaltsartikel bis hin zu Werkzeugen, Arbeitsbekleidung und Arbeitsschuhen.
Das Geschäftsmodell basiert auf dem Direktvertrieb vom Hersteller zum Endkunden, überwiegend aus Asien. Durch den Wegfall klassischer Zwischenhändler können Produkte zu Preisen angeboten werden, die teils deutlich unter dem europäischen Marktniveau liegen.
Gleichzeitig steht Temu immer wieder in der Kritik. Diskutiert werden unter anderem Produktqualität, Haltbarkeit, Passform sowie die Einhaltung europäischer Normen und Standards. Besonders bei sicherheitsrelevanten Produkten wie Arbeitsbekleidung und Arbeitsschuhen stellt sich daher die Frage, welche Auswirkungen der sehr niedrige Preis auf Schutzwirkung, Verarbeitung und Alltagstauglichkeit hat.
Preis
Um das Angebot näher zu prüfen, haben wir vier Paar Arbeitsschuhe über Temu bestellt. Angekommen ist jedoch nur ein einziges Paar. Die übrigen Bestellungen konnten nicht zugestellt werden und wurden umgehend nach China zurückgeschickt. Zudem betrug die Lieferzeit über 40 Tage.
Erhalten haben wir ein Paar Arbeitsschuhe der Marke „Guyisa“. Dabei handelt es sich um einen chinesischen Hersteller, der sich auf günstige Sicherheits- und Arbeitsschuhe spezialisiert hat und seine Produkte international vertreibt. Ein Blick auf die Website zeigt: Kein Modell kostet mehr als 18 Euro – ein Preis, der deutlich unter dem Niveau europäischer Anbieter liegt. Wie ein solcher Preis zustande kommt, wird später noch relevant.
Zertifizierung
Zuallererst: dieser Arbeitsschuh von Temu hat weder Namen, noch eine Kennung. Der Schuh wird ohne Schuhkarton geliefert, stattdessen in einer dünnen, teils beschädigten Plastiktüte. Beigefügt ist lediglich der Lieferschein. Sowohl auf der Temu-Verkaufsseite als auch auf der Website des Herstellers finden sich keinerlei konkrete Angaben zu Zertifikaten oder Normen. Beworben wird lediglich ein „Anti-Smash“- und „Anti-Piercing“-Schutz.
Auf der Innensohle des Schuhs selbst sind zwar Angaben zu einer Norm, einer Schutzklasse sowie CE- und UKCA-Zeichen aufgedruckt. Diese Kennzeichnungen sind zwar formal erforderlich, reichen jedoch nicht aus, um eine gültige Zertifizierung nachzuweisen.
Eine solche Zertifizierung ist notwendig, um belegen zu können, dass ein Arbeitsschuh tatsächlich einer bestimmten Schutzklasse (etwa S3 oder S7) entspricht. Fehlt dieser Nachweis, ist weder gesichert, dass der Schuh den vorgeschriebenen Belastungen standhält, noch dass er tatsächlich stich- und stoßfest ist. Das Einsparen dieser Prüf- und Zertifizierungskosten wirkt sich direkt auf den Preis aus – geschätzt rund fünf Prozent des Endverkaufspreises fallen dadurch weg.
Wie gut ist der Schuh?
Das Obermaterial besteht aus Kunstleder, als Zehenschutz dient eine Stahlkappe, ergänzt durch eine Zwischensohle aus Stahl. Auf den ersten Blick wirken diese Elemente stabil, fallen jedoch deutlich massiver und dicker aus als bei vergleichbaren Modellen. Besonders im Zehenbereich macht sich das bemerkbar – der Schuh wirkt am Fuß klobig und wenig ergonomisch.
Hinzu kommt eine auffällige Abweichung bei der Passform: Die Größe 43 fällt eher wie eine 45 aus. Auch wenn Stahlkappe und Zwischensohle einen robusten Eindruck hinterlassen, leidet der Tragekomfort deutlich. Bereits nach kurzer Zeit wird klar, dass sich dieser Schuh für einen achtstündigen Arbeitstag kaum eignet. Nach einem solchen Tag dürfte der Wunsch nach einem neuen Arbeitsschuh schnell entstehen. Insgesamt vermittelt der Schuh klar den Eindruck eines sehr günstigen Produkts. Gespart wird vor allem am Material, Produktion und Verarbeitung, Nachhaltigkeit und Verantwortung. Durch den direkten Verkauf des Produzenten/Hersteller fallen Kosten für Händler weg - so kann der Schuh überhaupt so günstig sein. Während andere Hersteller von Arbeitsschuhen auf die Gesundheit des Trägers und die Ergonomie des Fußes achten, wird dieser Schuh nach kurzer Zeit unangenehm zum Tragen sein.
Fazit
Wer nur über ein sehr begrenztes Budget verfügt und sich keine teureren Modelle leisten kann, mag diesen Schuh als kurzfristige Lösung in Betracht ziehen. Er wirkt stabiler als ein gewöhnlicher Freizeitschuh und bietet zumindest einen gewissen Grundschutz.
Für 16€ wird bei dem Arbeitsschuh an diesen Punkten gespart:
- Fehlende Zertifikate
- Keine ergonomische Anpassung an den Fuß
- Schlechter Tragekomfort
- Lange Lieferzeit
- Kein Händler für Rückfragen
- Schlechte Verarbeitung
Wer regelmäßig oder über mehrere Stunden hinweg in Arbeitsschuhen tätig ist, sollte daher zu einem qualitativ besseren und zertifizierten Modell greifen. Diese bieten nicht nur mehr Komfort und Sicherheit, sondern begleiten ihren Träger im Idealfall über mehrere Jahre – ohne Zweifel an Schutzwirkung, Haltbarkeit oder ob der Schuh jemals beim Kunden ankommt. Wir können diesen Schuh nicht mit gutem Gewissen empfehlen.





















